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Order Block Trading: Definition, Herkunft und Grenzen

Brian Fürderer8. November 20263 Min. Lesezeit
Whiteboard: letzte rote Kerze vor einem starken Anstieg als Order-Block-Zone, daneben das Volume Profile derselben Zone

Bildungsanbieter Die Brian Fürderer Akademie ist ein Anbieter von Aus- und Weiterbildung rund um Börse, Trading und Investment. Wir vermitteln Wissen und Methodik. Wir geben keine Anlageberatung, keine Anlagevermittlung und keine Kaufempfehlungen.

Auf einen Blick
  • Order Block ist ein Begriff aus den sogenannten Smart Money Concepts (SMC) bzw. der ICT-Lehre, keine offizielle Börsenkennzahl.
  • Gängige Lesart: die letzte Gegenkerze vor einem starken Impuls, also die letzte rote Kerze vor einem kräftigen Anstieg.
  • Eine einheitliche Definition gibt es nicht. Docht oder Körper, mit oder ohne Strukturbruch: Jede Schule zeichnet anders.
  • Dass dort offene Aufträge großer Marktteilnehmer liegen, ist eine Deutung, die der Chart nicht direkt zeigt.
  • Mit Volume Profile und Volumen prüfst du, ob in der Zone tatsächlich viel gehandelt wurde.

Order Block: die Kurzdefinition

Ein Order Block ist eine Preiszone im Chart, meist abgeleitet aus der letzten Kerze in Gegenrichtung vor einer starken, schnellen Bewegung. Ein bullischer Order Block ist die letzte rote Kerze vor einem kräftigen Anstieg, ein bärischer die letzte grüne Kerze vor einem kräftigen Abverkauf. Kommt der Kurs später in diese Zone zurück, erwarten Order-Block-Trader dort eine Reaktion in Richtung des ursprünglichen Impulses.

Nicht zu verwechseln mit der Block Order oder dem Blockhandel: Das ist eine einzelne große Transaktion, die zwischen zwei Parteien ausgehandelt wird. Ein Order Block dagegen ist keine Transaktion, sondern eine Zone, die du selbst in den Chart zeichnest.

Herkunft: Smart Money Concepts

Bekannt geworden ist der Begriff über die sogenannten Smart Money Concepts, kurz SMC. Sie gehen auf eine Lehre aus dem Devisenhandel zurück, die unter dem Kürzel ICT verbreitet wurde. Über Videos und Foren hat sich das Vokabular inzwischen auf Futures, Aktien und Kryptowährungen ausgebreitet. Aus derselben Schule stammen Begriffe wie Fair Value Gap, Breaker Block und Liquiditäts-Sweep.

Die Grundidee: Große Marktteilnehmer können ihre Positionen nicht auf einmal aufbauen, ohne den Preis gegen sich zu verschieben. Sie verteilen ihre Aufträge, und ein Teil davon soll in der Zone unausgeführt liegen bleiben. Kehrt der Kurs zurück, lösen diese Aufträge angeblich die nächste Bewegung aus.

Das ist eine Deutung, keine Beobachtung. Wer welche Aufträge wo liegen hat, zeigt ein Kerzenchart nicht.

Auch Broker, die das Konzept selbst erklären, weisen darauf hin: Der Reiz, das Verhalten des großen Geldes zu verstehen, macht daraus noch keine verlässliche Methode.

Keine einheitliche Definition

Wer drei Quellen zum Order Block liest, bekommt oft drei verschiedene Zonen. Die häufigsten Unterschiede:

FrageLesart ALesart B
Welche Kerze?nur die letzte Gegenkerzealle Gegenkerzen direkt vor dem Impuls
Grenzen der Zoneganze Kerze mit Dochtennur der Kerzenkörper
Bedingungein starker Impuls reichtder Impuls muss die Marktstruktur brechen, oft mit Fair Value Gap
Gültig biszum ersten Testbis ein Schlusskurs durch die Zone geht

Beispiel mit frei gewählten Zahlen: Die letzte rote Kerze vor einem Anstieg im MNQ hat Hoch 21.170, Eröffnung 21.166, Schluss 21.155 und Tief 21.150. Mit Dochten ist die Zone 20 Punkte breit, nur mit Körper 11 Punkte. Mit Einstieg am oberen Rand und Stopp 2 Punkte unter der Zone sind das 22 bzw. 13 Punkte Risiko, im MNQ also 44 $ bzw. 26 $ je Kontrakt, im NQ 440 $ bzw. 260 $.

Dieselbe Kerze, zwei Trades, und das Risiko je Kontrakt ist bei der breiten Zone fast doppelt so hoch. Deshalb gilt: Leg deine Definition schriftlich fest und prüfe sie, bevor du Geld einsetzt, zum Beispiel per Backtesting.

Wie wir den Order Block einordnen: Volumen statt Vermutung

Die Frage hinter dem Order Block ist berechtigt: Wo haben viele Marktteilnehmer Positionen aufgebaut? In unserer Ausbildung beantworten wir sie mit dem gehandelten Volumen statt mit der Farbe einer einzelnen Kerze.

  • Zone statt Einzelkerze: Vor einem starken Impuls liegt oft eine kleine Seitwärtsphase. Brian legt über solche Balancezonen ein Fixed Range Volume Profile und sieht Point of Control und Value Area, also wo tatsächlich gehandelt wurde.
  • Gipfel oder Lücke: Zeigt das Profil in der vermuteten Order-Block-Zone einen Volumengipfel (High Volume Node), wurde dort viel gehandelt. Liegt dort eine Lücke, spricht wenig für viele offene Positionen.
  • Bestätigung beim Test: Kommt der Kurs zurück, gelten dieselben Fragen wie bei jedem Ausbruch mit Retest: Schlusskurs, CVD, Volumen.

So wird aus der Vermutung, dass hier große Aufträge liegen, eine prüfbare Aussage: Hier wurde nachweislich viel gehandelt, und beim Test reagieren Käufer. Die Grundlagen stehen im Artikel Volume Profile Trading, die Orderflow-Werkzeuge in Orderflow-Trading erklärt.

Typische Fehler beim Order Block Trading

  • Jede Gegenkerze zum Order Block erklären: Vor fast jeder Bewegung gibt es eine letzte Gegenkerze. Ohne klaren Impuls und Kontext wird die Zone beliebig.
  • Die Deutung für Wissen halten: Dass in der Zone Banken kaufen, ist eine Annahme. Handle, was du messen kannst.
  • Blind limitieren: Eine Limit-Order in der Zone ohne Bestätigung ist eine Wette darauf, dass die Zone hält.
  • Gegen den Trend handeln: Eine Kaufzone im klaren Abwärtstrend hat einen schweren Stand.
  • Die Definition wechseln: Wer nach jedem Verlust die Zone neu zeichnet, kann seine Regeln nie auswerten. Halte Definition und Ergebnis im Trading-Journal fest.
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Häufige Fragen

Was ist ein Order Block im Trading?

Ein Order Block ist eine Preiszone, meist die letzte Kerze in Gegenrichtung vor einer starken Bewegung. Trader, die mit dem Konzept arbeiten, vermuten dort unausgeführte Aufträge großer Marktteilnehmer und erwarten beim Rücklauf eine Reaktion. Belegen lässt sich diese Vermutung aus dem Kerzenchart nicht.

Woher kommt der Begriff Order Block?

Der Begriff ist über die sogenannten Smart Money Concepts (SMC) bekannt geworden, die auf eine unter dem Kürzel ICT verbreitete Lehre aus dem Devisenhandel zurückgehen. Er ist kein offizieller Börsenbegriff.

Was ist der Unterschied zwischen Order Block und Unterstützung?

Eine Unterstützung entsteht meist aus mehreren Berührungen eines Preisniveaus. Ein Order Block wird aus einer einzelnen Kerze vor einem Impuls abgeleitet und als Zone gezeichnet. In der Praxis überschneiden sich beide oft, weil vor starken Bewegungen häufig eine kleine Seitwärtsphase liegt.

Was ist ein Breaker Block?

Ein Breaker Block ist im SMC-Vokabular ein gescheiterter Order Block: Der Kurs ist durch die Zone gelaufen, und sie soll danach in umgekehrter Rolle wirken, also aus einer Kauf- eine Verkaufszone werden. Auch hier gibt es unterschiedliche Definitionen.

Funktionieren Order Blocks?

Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht, weil jede Schule die Zone anders definiert. Ob deine Regeln in deinem Markt tragen, zeigt nur eine saubere Auswertung mit fester Definition, etwa per Backtesting und Trading-Journal.

Risikohinweis: Der Handel mit Finanzinstrumenten ist mit Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Vergangene Entwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.

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