
Bildungsanbieter Die Brian Fürderer Akademie ist ein Anbieter von Aus- und Weiterbildung rund um Börse, Trading und Investment. Wir vermitteln Wissen und Methodik. Wir geben keine Anlageberatung, keine Anlagevermittlung und keine Kaufempfehlungen.
Stand der Angaben: 08.11.2026
- Slippage ist der Abstand zwischen geplantem und tatsächlichem Ausführungspreis, gemessen in Ticks oder Geld.
- Sie betrifft vor allem Marktorders und ausgelöste Stop-Market-Orders, wenn auf dem gewünschten Preis zu wenig Gegenseite steht.
- Im MNQ kostet ein Tick 0,50 $, im NQ 5 $, im Mini-DAX-Future 5 € je Kontrakt.
- Limitorders verhindern negative Slippage, werden dafür aber eventuell nicht ausgeführt.
Slippage: was der Begriff bedeutet
Slippage (deutsch etwa: Abrutschen, Ausführungsabweichung) ist die Differenz zwischen dem Kurs, den du für deine Order erwartet hast, und dem Kurs, zu dem sie tatsächlich ausgeführt wurde. Wird schlechter gefüllt als erwartet, spricht man von negativer Slippage; bekommst du einen besseren Preis, von positiver.
Im Futures-Handel misst man Slippage in Ticks, also in der kleinsten Preisstufe des Kontrakts. Beim Nasdaq-100-Future sind das 0,25 Indexpunkte. Rutscht ein Stopp von 21.000 auf 20.998, sind das 2 Punkte oder 8 Ticks.
Warum Slippage entsteht
Eine Marktorder nimmt, was im Orderbuch gerade an Gegenseite liegt. Stehen auf dem besten Preis nur drei Kontrakte und du willst zehn verkaufen, werden die übrigen sieben auf den nächsten Preisstufen gefüllt. Dasselbe gilt für einen ausgelösten Stop Loss als Stop-Market: Er wird erst beim Erreichen des Auslösepreises aktiv und bekommt dann den Preis, den der Markt in diesem Moment hergibt.
Besonders groß wird die Abweichung in diesen Situationen:
- Wirtschaftsdaten: Wichtige US-Daten wie Arbeitsmarkt- oder Inflationszahlen kommen meist um 8:30 Uhr New Yorker Zeit, in Deutschland in der Regel 14:30 Uhr. In den Sekunden danach ziehen viele Händler ihre Orders aus dem Buch.
- Eröffnung des Kassamarkts um 9:30 Uhr New Yorker Zeit, also meist 15:30 Uhr bei uns.
- Kurslücken über Nacht oder nach dem Wochenende. Dann liegt der erste Preis womöglich schon weit hinter deinem Stopp, siehe Gap.
- Dünne Handelszeiten in der Nacht und vor Feiertagen, wenn weniger Kontrakte im Buch liegen.
Eine Limitorder kann dagegen nie schlechter als ihr Limit ausgeführt werden. Der Preis dafür: Läuft der Markt weg, bekommst du gar keine Ausführung.
Rechenbeispiel: was Ticks Slippage kosten
Beispiel mit frei gewählten Zahlen. Dein Stopp liegt bei 21.000. Eine schnelle Kerze nach Wirtschaftsdaten löst ihn aus, gefüllt wird bei 20.998.
| Kontrakt | Tickgröße | Tickwert | 8 Ticks Slippage |
|---|---|---|---|
| MNQ (Micro Nasdaq-100) | 0,25 Punkte | 0,50 $ | 4 $ |
| NQ (E-mini Nasdaq-100) | 0,25 Punkte | 5 $ | 40 $ |
| FDXM (Mini-DAX) | 1 Punkt | 5 € | 40 € (8 Punkte) |
Bei 6 MNQ und einem geplanten Risiko von 240 $ kommen 24 $ dazu, das tatsächliche Risiko steigt also um 10 %.
Auch kleine Beträge summieren sich. Angenommen, du verlierst bei Ein- und Ausstieg je einen Tick: Das sind im MNQ 1 $ je Kontrakt und Trade. Bei 200 Trades im Jahr mit je 6 Kontrakten fehlen am Ende 1.200 $, ohne dass sich an deiner Strategie etwas geändert hat. Deshalb gehört eine realistische Slippage-Annahme in jedes Backtesting.
Stop with Protection: wie die CME Ausreißer begrenzt
Die CME bietet für Futures eine Stop Order with Protection an. Sie wird aktiviert, wenn am Auslösepreis oder darüber hinaus gehandelt wird, und geht dann als Marktorder ins Buch, allerdings mit einer Preisgrenze: Auslösepreis plus bzw. minus vordefinierte Schutzpunkte. Laut CME entsprechen diese Schutzpunkte meist der Hälfte der sogenannten Non-reviewable Range des Produkts.
Innerhalb dieser Spanne wird zu allen verfügbaren Preisen gefüllt. Was übrig bleibt, wird als Limitorder an der Schutzgrenze ins Buch gelegt. Das begrenzt extreme Fills, hat aber eine Kehrseite: In einer sehr schnellen Bewegung kann ein Teil deiner Position offen bleiben, obwohl der Stopp ausgelöst wurde. Schau nach so einem Moment immer nach, ob du wirklich flach bist.
Wie wir Slippage in der Ausbildung einordnen
Slippage lässt sich nicht abschaffen, nur einplanen. Für die Praxis heißt das:
- Im Journal den geplanten und den echten Preis notieren. Brian lässt für jeden Trade Datum, Wert, Einstiegsgrund, Stopp, Ziel, Ergebnis und Einsatz festhalten, dazu, ob die eigene Regel eingehalten wurde. Ergänze den tatsächlichen Ausführungspreis, dann siehst du nach einigen Wochen schwarz auf weiß, wie viele Ticks dich deine Orders kosten.
- Puffer im Risiko: Rechne die Kontraktzahl so, dass auch ein Fill ein paar Ticks hinter dem Stopp noch in dein Budget passt.
- Zeitfenster bewusst wählen: Ob du direkt vor Wirtschaftsdaten mit offener Position im Markt bist, sollte eine Regel in deinem Handelsplan sein, keine Entscheidung im Moment.
- Kontraktgröße passend wählen: Mit Micro-Kontrakten schlägt jeder Tick nur ein Zehntel so stark durch wie im großen Kontrakt.
Typische Fehler im Umgang mit Slippage
- Backtest ohne Kosten: Eine Strategie, die nur ohne Slippage und Gebühren funktioniert, funktioniert nicht.
- Stop-Limit statt Stopp, um Slippage zu sparen: Springt der Kurs über das Limit, hast du keinen Verlust begrenzt, sondern eine offene Position.
- Slippage für Pech halten: Sie ist ein Teil der Handelskosten, regelmäßig und messbar.
- Nach dem Fill nicht prüfen: Gerade bei Teilausführungen bleibt sonst unbemerkt ein Rest offen.
Was wir für dich tun können
Im Apex-Programm lernst du die komplette Strategie, nach der Brian und Philipp selbst handeln, und baust dir daraus dein eigenes, schriftliches Regelwerk. Ob auf dem eigenen Konto oder auf einem Futures-Prop-Firm-Konto: Der Prozess ist derselbe.
- Märkte selbst lesen: Marktstruktur, Phasen, Volumen und die richtigen Werte, statt Signalen zu folgen.
- Klare Wenn-Dann-Regeln für Einstieg, Stopp und Ziel, schriftlich festgehalten.
- Kapitalerhalt zuerst: Positionsgröße und maximaler Tagesverlust stehen vorher fest. Genau das verlangen auch Prop-Firm-Regeln wie der Trailing Drawdown.
- Begleitung durch zwei aktive Trader: ehrliches Feedback an echten Charts statt Theorie vom Blatt.
Häufige Fragen
Was bedeutet Slippage auf Deutsch?
Wörtlich Rutschen oder Abrutschen. Gemeint ist die Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungspreis einer Order.
Kann Slippage auch positiv sein?
Ja. Wird deine Order zu einem besseren Preis als erwartet ausgeführt, etwa weil der Kurs in deine Richtung springt, spricht man von positiver Slippage. Bei Stopps in schnellen Märkten überwiegt in der Praxis meist die negative Seite.
Was ist eine Slippage-Warnung?
Manche Handels-Apps zeigen vor dem Absenden einer Marktorder einen Hinweis, dass der Ausführungspreis vom angezeigten Kurs abweichen kann. Die Warnung ändert nichts an der Order, sie macht nur auf das Risiko einer slippage-bedingten Preisänderung aufmerksam.
Wie vermeide ich Slippage?
Ganz vermeiden lässt sie sich nur mit Limitorders, die dafür eventuell nicht ausgeführt werden. Verringern kannst du sie, indem du liquide Kontrakte und Handelszeiten wählst, um wichtige Wirtschaftsdaten herum vorsichtig bist und die Kontraktzahl so bemisst, dass ein paar Ticks Abweichung dein Risiko nicht sprengen.
Gilt Slippage auch beim Einstieg oder nur beim Stopp?
Bei beidem. Jede Marktorder und jede ausgelöste Stop-Market-Order kann abweichend gefüllt werden, egal ob du damit eine Position eröffnest oder schließt.
- CME Group Client Systems Wiki: Order Types for Futures and Options (Market with Protection, Stop Order with Protection) (abgerufen 08.11.2026)
- CME Group: Micro E-mini Nasdaq-100 Kontraktspezifikationen (abgerufen 08.11.2026)
- Eurex: Mini-DAX-Futures, Kontraktspezifikationen (abgerufen 08.11.2026)
- Brian Fürderer: Trading als Nebenjob starten? Rechne zuerst diese Zahl aus (YouTube) (abgerufen 08.11.2026)
Risikohinweis: Der Handel mit Finanzinstrumenten ist mit Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Vergangene Entwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.
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