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Was ist ein Leerverkauf? Short-Selling einfach erklärt

Brian Fürderer8. November 20264 Min. Lesezeit
Whiteboard: Short-Trade im MNQ mit Verkauf bei 21.000, Stopp 21.020 über dem tieferen Hoch und Rückkauf bei 20.960

Bildungsanbieter Die Brian Fürderer Akademie ist ein Anbieter von Aus- und Weiterbildung rund um Börse, Trading und Investment. Wir vermitteln Wissen und Methodik. Wir geben keine Anlageberatung, keine Anlagevermittlung und keine Kaufempfehlungen.

Stand der Angaben: 08.11.2026

Auf einen Blick
  • Beim Leerverkauf verkaufst du zuerst und kaufst später zurück. Du gewinnst, wenn der Kurs fällt.
  • Bei Aktien musst du die Papiere vorher leihen. Ungedeckte Leerverkäufe von Aktien sind in der EU seit 2012 verboten.
  • Bei Futures ist Short genauso einfach wie Long. Es wird nichts geliehen.
  • Das Verlustrisiko ist nach oben offen, weil ein Kurs theoretisch unbegrenzt steigen kann. Ein Stopp ist Pflicht.

Leerverkauf: die Kurzdefinition

Ein Leerverkauf (englisch: short sale, kurz Short) ist der Verkauf eines Wertpapiers oder Kontrakts, den du zum Zeitpunkt des Verkaufs nicht besitzt, mit dem Ziel, ihn später zu einem niedrigeren Preis zurückzukaufen. Der Gewinn ist die Differenz aus Verkaufs- und Rückkaufpreis, abzüglich Kosten.

Der Ablauf ist also umgekehrt zum gewohnten Kauf: erst verkaufen, dann kaufen. Fällt der Kurs, liegt der Rückkauf unter dem Verkauf, und du hast verdient. Steigt er, musst du teurer zurückkaufen. Weil ein Kurs nach oben keine Grenze hat, ist auch der mögliche Verlust einer ungesicherten Short-Position nicht begrenzt.

Short bei Futures: Beispiel im MNQ

Bei Futures gibt es kein Leihen. Ein Future ist ein Vertrag zwischen Käufer und Verkäufer; wer verkauft, geht eine Verpflichtung ein, die er vor Fälligkeit durch einen Kauf wieder schließt. Short ist deshalb technisch genauso einfach wie Long, auch die Margin ist dieselbe.

Beispiel mit frei gewählten Zahlen, keine Empfehlung. Der Micro E-mini Nasdaq-100 (MNQ) bildet ein tieferes Hoch und fällt wieder. Du verkaufst 1 MNQ bei 21.000.

BausteinKursAbstandje MNQ (2 $ je Punkt)
Verkauf (Einstieg)21.000––
Stopp als Kauf-Stopp über dem letzten Hoch21.02020 Punkte−40 $
Rückkauf am Ziel20.96040 Punkte+80 $

Im großen NQ wären es −400 $ und +800 $ je Kontrakt. Im Mini-DAX-Future (FDXM) kostet ein Stopp 30 Punkte über dem Verkauf 150 € je Kontrakt.

Wichtig: Der Stopp eines Shorts liegt über dem Kurs und ist eine Kauforder. Wird er ausgelöst, gilt dasselbe wie beim Long, also mögliche Slippage bei schnellen Bewegungen.

Leerverkauf von Aktien: gedeckt und ungedeckt

Bei Aktien musst du ein Papier liefern, das du nicht hast. Deshalb leiht dein Broker es dir aus dem Bestand anderer Anleger. Das nennt man gedeckten Leerverkauf. Dafür fällt eine Leihgebühr an, die bei gefragten Aktien hoch sein kann. Zahlt das Unternehmen während der Leihe eine Dividende, musst du sie dem Verleiher ausgleichen, und die Leihe kann gekündigt werden.

Ein ungedeckter Leerverkauf (englisch: naked short) ist ein Verkauf ohne geliehene Aktien und ohne gesicherte Zusage, sie rechtzeitig zu bekommen. Für Aktien mit Haupthandelsplatz in der EU ist das seit dem 1. November 2012 nach Artikel 12 der EU-Leerverkaufsverordnung (Nr. 236/2012) untersagt. Erlaubt ist ein Leerverkauf nur, wenn du die Aktien geliehen hast, eine verbindliche Leihvereinbarung besteht oder ein Dritter bestätigt hat, dass die Aktien für dich reserviert sind. Ausnahmen gibt es für Market Maker.

Dazu kommen Transparenzpflichten: Eine Netto-Leerverkaufsposition ab 0,1 % des ausgegebenen Aktienkapitals muss an die BaFin gemeldet werden, ab 0,5 % wird sie mit dem Namen des Inhabers veröffentlicht, in Deutschland bisher im Bundesanzeiger. Deshalb tauchen Leerverkäufer dort namentlich auf. Seit dem 10. Juli 2026 laufen diese Veröffentlichungen laut BaFin zentral über den European Single Access Point (ESAP) der EU.

Die Aufsicht kann Leerverkäufe auch zeitweise ganz untersagen. Ein bekanntes Beispiel: Im Februar 2019 verbot die BaFin per Allgemeinverfügung für rund zwei Monate, neue Netto-Leerverkaufspositionen in Wirecard-Aktien aufzubauen.

Wie Privatanleger short gehen können

Ein direkter Aktien-Leerverkauf mit Wertpapierleihe wird längst nicht von jedem Broker für Privatkunden angeboten. Verbreitet sind andere Wege, auf fallende Kurse zu setzen:

  • Futures auf Indizes wie Nasdaq-100, S&P 500 oder DAX: Short ohne Leihe, gehebelt, Verluste können das Konto übersteigen.
  • CFDs: für Privatkunden in der EU mit Hebelgrenzen und Schutz vor negativem Kontostand.
  • Put-Optionen: Der maximale Verlust beim Kauf ist die gezahlte Prämie.
  • Short- und Knock-out-Zertifikate: verbriefte Produkte eines Emittenten mit eigenem Emittentenrisiko.

Alle diese Wege arbeiten mit einem Hebel oder enthalten einen. Welcher davon für dich überhaupt in Frage kommt, hängt von deiner Erfahrung, deinem Konto und den Bedingungen deines Brokers ab. Eine Empfehlung für ein bestimmtes Produkt geben wir nicht.

Wie wir den Short in der Ausbildung einordnen

In unserer Ausbildung ist Short keine Sonderdisziplin, sondern die zweite Richtung desselben Handwerks. Brian beschreibt seinen Ablauf so: Zuerst definiert er long oder short, dann prüft er, ob der Markt in einer Balance ist, dann folgen Einstieg, Stopp und Positionsgröße. Die Marktstruktur gilt spiegelbildlich: Ein Abwärtstrend zeigt tiefere Hochs und tiefere Tiefs, der Stopp eines Shorts liegt über dem letzten relevanten Hoch.

Zwei Besonderheiten solltest du kennen. Fallende Märkte bewegen sich oft schneller als steigende, die Kerzen werden größer und der Stoppabstand muss das aushalten. Und Short-Positionen können durch einen Short Squeeze unter Druck geraten: Steigt der Kurs, müssen viele Leerverkäufer gleichzeitig zurückkaufen, was den Anstieg zusätzlich beschleunigt.

Ob du beide Richtungen handelst oder nur eine, ist eine Regel für deinen Handelsplan, keine Entscheidung im laufenden Markt.

Typische Fehler beim Leerverkauf

  • Short ohne Stopp: Das Verlustrisiko ist nach oben offen. Ein Short ohne festen Stop Loss ist der teuerste Fehler dieses Eintrags.
  • Gegen einen intakten Aufwärtstrend shorten, nur weil der Kurs „zu hoch“ erscheint. Hoch ist kein Signal.
  • Kosten der Leihe übersehen: Bei Aktien fressen Leihgebühr und Dividendenausgleich einen Teil des Ergebnisses.
  • Den Stopp zu eng über ein offensichtliches Hoch legen: Kurze Spitzen über das Hoch sind häufig, ein kleiner Puffer gehört in die Rechnung.
  • Long-Gewohnheiten übertragen: Kaufen und Verkaufen sind vertauscht, Stopps sind Kauforders, Ziele liegen unter dem Kurs. Wer das in der Plattform verwechselt, eröffnet versehentlich eine zweite Position.
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Was wir für dich tun können

Im Apex-Programm lernst du die komplette Strategie, nach der Brian und Philipp selbst handeln, und baust dir daraus dein eigenes, schriftliches Regelwerk. Ob auf dem eigenen Konto oder auf einem Futures-Prop-Firm-Konto: Der Prozess ist derselbe.

  • Märkte selbst lesen: Marktstruktur, Phasen, Volumen und die richtigen Werte, statt Signalen zu folgen.
  • Klare Wenn-Dann-Regeln für Einstieg, Stopp und Ziel, schriftlich festgehalten.
  • Kapitalerhalt zuerst: Positionsgröße und maximaler Tagesverlust stehen vorher fest. Genau das verlangen auch Prop-Firm-Regeln wie der Trailing Drawdown.
  • Begleitung durch zwei aktive Trader: ehrliches Feedback an echten Charts statt Theorie vom Blatt.
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Häufige Fragen

Wie funktioniert ein Leerverkauf von Aktien?

Dein Broker leiht dir die Aktien von einem anderen Anleger. Du verkaufst sie sofort am Markt. Später kaufst du dieselbe Anzahl zurück und gibst sie dem Verleiher zurück. Ist der Kurs inzwischen gefallen, bleibt die Differenz abzüglich Leihgebühr als Gewinn, ist er gestiegen, entsteht ein Verlust.

Was ist ein Leerverkaufsverbot?

Eine Anordnung der Aufsicht, die Leerverkäufe ganz oder für bestimmte Werte untersagt. Dauerhaft gilt in der EU das Verbot ungedeckter Leerverkäufe von Aktien. Zeitweise Verbote kann die Aufsicht zusätzlich erlassen, wie 2019 die BaFin für neue Netto-Leerverkaufspositionen in Wirecard-Aktien.

Was ist eine Netto-Leerverkaufsposition?

Die Short-Position in einer Aktie abzüglich gehaltener Long-Positionen, bezogen auf das ausgegebene Aktienkapital. Ab 0,1 % muss sie der BaFin gemeldet werden, ab 0,5 % wird sie veröffentlicht.

Warum stehen Leerverkäufe im Bundesanzeiger?

Die EU-Leerverkaufsverordnung verlangt Transparenz bei großen Short-Positionen. Netto-Leerverkaufspositionen ab 0,5 % des Aktienkapitals werden mit Namen des Inhabers veröffentlicht, in Deutschland bisher im Bundesanzeiger, seit Juli 2026 laut BaFin zentral über das EU-Portal ESAP.

Wie viel kann man bei einem Leerverkauf verlieren?

Ohne Absicherung theoretisch unbegrenzt, weil ein Kurs nach oben keine Grenze hat. Begrenzen lässt sich der geplante Verlust nur über einen Stopp, der allerdings bei Kurslücken schlechter ausgeführt werden kann.

Risikohinweis: Der Handel mit Finanzinstrumenten ist mit Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Vergangene Entwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.

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