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- Bollinger Bänder bestehen aus einem 20er-Durchschnitt und zwei Bändern im Abstand von zwei Standardabweichungen darüber und darunter.
- Sie messen Schwankungsbreite, keine Richtung: Ruhiger Markt, enge Bänder. Unruhiger Markt, weite Bänder.
- Eine Berührung des Bandes ist laut John Bollinger selbst kein Kauf- oder Verkaufssignal.
- Der Squeeze zeigt, dass die Schwankung ungewöhnlich klein geworden ist, aber nicht, in welche Richtung es danach geht.
- Die Annahme, der Kurs liege zu 95 % innerhalb der Bänder, ist falsch. Kurse sind nicht normalverteilt.
Bollinger Bänder in einem Satz
Bollinger Bänder sind ein Chart-Indikator aus drei Linien: einem einfachen gleitenden Durchschnitt in der Mitte und je einem Band darüber und darunter, deren Abstand sich nach der Standardabweichung der letzten Kurse richtet.
Entwickelt hat sie der US-Analyst John Bollinger in den 1980er Jahren. Der Grundgedanke: Ein fester Abstand um einen Durchschnitt, etwa immer 50 Punkte, passt mal gut und mal gar nicht, weil Märkte mal ruhig und mal hektisch sind. Bollinger ließ den Abstand deshalb mit der gemessenen Schwankung atmen. In ruhigen Phasen ziehen sich die Bänder zusammen, in bewegten Phasen gehen sie auseinander.
Berechnung und Standardeinstellung
- Mittellinie: einfacher gleitender Durchschnitt der letzten 20 Schlusskurse (SMA 20).
- Oberes Band: Mittellinie + 2 × Standardabweichung derselben 20 Schlusskurse.
- Unteres Band: Mittellinie − 2 × Standardabweichung.
Die Werte 20 und 2 sind die übliche Voreinstellung. John Bollinger selbst nennt sie ausdrücklich nur einen Ausgangspunkt. Verlängerst du den Durchschnitt, empfiehlt er einen etwas größeren Faktor, etwa 2,1 bei 50 Perioden; bei 10 Perioden einen kleineren, etwa 1,9.
Ein verbreiteter Irrtum betrifft die 95 %. In einer Normalverteilung liegen rund 95,4 % der Werte innerhalb von zwei Standardabweichungen. Daraus folgt aber nicht, dass der Kurs in 95 % der Fälle zwischen den Bändern bleibt: Kursbewegungen sind nicht normalverteilt, und die Standardabweichung aus 20 Kerzen ist nur eine grobe Schätzung.
Rechenbeispiel im MNQ: Bandbreite und %B
Beispiel mit frei gewählten Zahlen. Im 5-Minuten-Chart des Micro E-mini Nasdaq-100 (MNQ, 2 $ je Punkt) liegt der Durchschnitt der letzten 20 Schlusskurse bei 21.000, die Standardabweichung bei 30 Punkten.
| Größe | Rechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Oberes Band | 21.000 + 2 × 30 | 21.060 |
| Unteres Band | 21.000 − 2 × 30 | 20.940 |
| Abstand der Bänder | 21.060 − 20.940 | 120 Punkte = 240 $ je MNQ, 2.400 $ je NQ |
| Bandbreite (BandWidth) | 120 ÷ 21.000 | 0,57 % |
| %B bei Kurs 21.045 | (21.045 − 20.940) ÷ 120 | 0,875 |
%B sagt, wo der Kurs innerhalb der Bänder steht: 0 heißt am unteren Band, 1 am oberen, über 1 oberhalb. Die Bandbreite misst, wie weit die Bänder im Verhältnis zum Preis offen sind. Fällt die Standardabweichung im selben Beispiel auf 8 Punkte, sind die Bänder nur noch 32 Punkte auseinander, die Bandbreite sinkt auf rund 0,15 %. Das ist ein Squeeze.
Praktischer Nutzen für das Risiko: Wer bei 120 Punkten Bandabstand einen Stopp von 10 Punkten plant, liegt mitten im normalen Rauschen der letzten 20 Kerzen. Die Bänder geben dir ein Gefühl dafür, welche Stoppweite zur aktuellen Schwankung passt.
Drei Lesarten: Berührung, Laufen am Band, Squeeze
Berührung ist kein Signal
John Bollinger formuliert es selbst so: Eine Berührung des Bandes ist eine Berührung, kein Signal. Das obere Band zu erreichen heißt nicht „zu teuer“, das untere nicht „billig“.
Laufen am Band
In starken Trends schiebt sich der Kurs oft über viele Kerzen am oberen oder unteren Band entlang. Wer jede Berührung des oberen Bandes als Verkaufsgrund nimmt, stellt sich genau dann gegen den Trend, wenn er am stärksten ist.
Squeeze
Ziehen sich die Bänder auf eine ungewöhnlich geringe Breite zusammen, folgt häufig eine Phase größerer Schwankung. Die Richtung verrät der Squeeze nicht. Auch der erste Ausbruch aus der Enge kann eine Finte sein, die kurz darauf in die Gegenrichtung dreht.
Wie wir Bollinger Bänder in der Ausbildung einordnen
Im Apex-Programm kommt die Marktstruktur vor den Indikatoren. Modul 02 beginnt mit der Lektion „Warum Struktur vor Indikatoren kommt“: erst Hochs, Tiefs und Zonen lesen, dann Werkzeuge darüberlegen. Bollinger Bänder sind für uns deshalb vor allem eine Messlatte für Schwankung, kein Einstiegsgrund. Sie helfen bei der Frage, ob ein geplanter Stopp zur aktuellen Unruhe passt und ob der Markt gerade ruhig oder ausgedehnt ist.
Eine Regel von John Bollinger passt gut zu unserer Arbeitsweise: Kombiniere Werkzeuge, die Verschiedenes messen. Zwei Indikatoren, die beide aus denselben Schlusskursen rechnen, bestätigen sich vor allem selbst. Volumen am Preis, etwa aus dem Volume Profile, ist eine echte zweite Informationsquelle.
Typische Fehler mit Bollinger Bändern
- Gegen jedes Band handeln. In der Seitwärtsphase mag das passen, im Trend kostet es Serie um Serie.
- Squeeze als Richtungssignal. Er kündigt Bewegung an, nicht deren Richtung.
- Einstellungen so lange ändern, bis es passt. Wer für jeden Chart andere Werte sucht, betreibt Kurvenanpassung.
- Bänder als Kursziele. Sie bewegen sich mit jeder neuen Kerze und sind keine festen Marken.
Was wir für dich tun können
Im Apex-Programm lernst du die komplette Strategie, nach der Brian und Philipp selbst handeln, und baust dir daraus dein eigenes, schriftliches Regelwerk. Ob auf dem eigenen Konto oder auf einem Futures-Prop-Firm-Konto: Der Prozess ist derselbe.
- Märkte selbst lesen: Marktstruktur, Phasen, Volumen und die richtigen Werte, statt Signalen zu folgen.
- Klare Wenn-Dann-Regeln für Einstieg, Stopp und Ziel, schriftlich festgehalten.
- Kapitalerhalt zuerst: Positionsgröße und maximaler Tagesverlust stehen vorher fest. Genau das verlangen auch Prop-Firm-Regeln wie der Trailing Drawdown.
- Begleitung durch zwei aktive Trader: ehrliches Feedback an echten Charts statt Theorie vom Blatt.
Häufige Fragen
Was zeigen Bollinger Bänder an?
Sie zeigen, wie stark ein Markt im Verhältnis zu seinem eigenen Durchschnitt zuletzt geschwankt hat. Enge Bänder bedeuten geringe, weite Bänder hohe Schwankung. Eine Richtung oder einen fairen Preis zeigen sie nicht.
Welche Einstellung ist für Bollinger Bänder üblich?
Standard sind 20 Perioden für den gleitenden Durchschnitt und 2 Standardabweichungen für die Bänder. John Bollinger nennt das einen Ausgangspunkt und schlägt bei 50 Perioden etwa 2,1, bei 10 Perioden etwa 1,9 Standardabweichungen vor.
Was bedeutet Bollinger Squeeze?
Ein Squeeze liegt vor, wenn sich die Bänder auf eine ungewöhnlich geringe Breite zusammenziehen. Er zeigt eine ruhige Phase an, auf die oft größere Schwankung folgt, sagt aber nichts über deren Richtung.
Wie liest man Bollinger Bänder richtig?
Erst die Struktur: Trend oder Seitwärtsphase? Im Trend läuft der Kurs oft am Band entlang, in der Seitwärtsphase pendelt er eher zwischen den Bändern. Dazu kommt die Breite der Bänder als Maß für die aktuelle Unruhe. Eine einzelne Berührung ist kein Signal.
Liegt der Kurs zu 95 % innerhalb der Bollinger Bänder?
Nein. Die 95 % stammen aus der Normalverteilung, Kursbewegungen folgen ihr aber nicht. Der Anteil schwankt je nach Markt und Phase deutlich.
- John Bollinger: Bollinger Band Rules (Voreinstellung, Berührung kein Signal, Anpassung des Faktors) (abgerufen 08.11.2026)
- StockCharts ChartSchool: Bollinger Bands (Berechnung, Squeeze) (abgerufen 08.11.2026)
- Wikipedia: Bollinger-Bänder (1980er Jahre, Normalverteilungs-Irrtum) (abgerufen 08.11.2026)
- CME Group: Micro E-mini Nasdaq-100, Kontraktspezifikationen (2 $ je Indexpunkt, Tick 0,25) (abgerufen 08.11.2026)
Risikohinweis: Der Handel mit Finanzinstrumenten ist mit Risiken verbunden und kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Vergangene Entwicklungen sind kein Indikator für künftige Ergebnisse.
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